Wir setzen bei Kunden sowohl SentinelOne als auch Fortinet für den Schutz von Arbeitsplätzen und Servern ein. Deshalb können wir den Vergleich ohne Herstellerbrille machen. Die kurze Antwort: Beide sind gut. Welche Lösung besser passt, hängt von Ihrer Umgebung ab.
Was beide gemeinsam haben
- Verhaltenserkennung statt nur Signaturen. Ransomware wird daran erkannt, was sie tut, nicht nur daran, wie sie aussieht.
- Automatische Reaktion. Ein befallener Rechner kann sofort vom Netz isoliert werden.
- Zentrale Verwaltung aus der Cloud oder vor Ort.
- Forensik: Nachvollziehen, wie ein Angriff abgelaufen ist.
Klassischer Virenschutz ohne diese Funktionen reicht für Versicherer und NIS2 heute nicht mehr.
SentinelOne: stark als eigenständige Plattform
Stärken
- Sehr selbstständig arbeitender Agent, der auch ohne Verbindung zur Cloud schützt.
- Rollback-Funktion unter Windows: Dateien, die Ransomware verschlüsselt hat, lassen sich auf den Stand vor dem Angriff zurücksetzen.
- Breite Abdeckung von Windows, macOS und Linux, auch für Server.
- Ausbaubar zu XDR mit Anbindung weiterer Datenquellen.
Passt besonders, wenn
- Sie eine gemischte Netzwerk-Landschaft haben und der Endpoint-Schutz herstellerunabhängig sein soll,
- Sie auf einen sehr autonomen Agenten Wert legen, etwa bei vielen mobilen Geräten außerhalb des Firmennetzes.
Fortinet: stark im Verbund
Fortinet bietet mit FortiClient EMS Endpoint-Verwaltung, Schutz und Zero-Trust-Zugang sowie mit FortiEDR eine eigene EDR-Lösung.
Stärken
- Tiefe Integration in die Security Fabric: Der Zustand des Endgeräts fließt in Zugriffsregeln der FortiGate ein. Ein auffälliger Rechner kann auf Netzwerkebene isoliert werden, auch am FortiSwitch-Port.
- ZTNA und VPN-Client aus derselben Lösung: Zugriff nur für Geräte, die die Sicherheitsvorgaben erfüllen.
- Eine Konsolen-Landschaft, ein Hersteller-Support für Netzwerk und Endpoint.
Passt besonders, wenn
- Sie bereits FortiGate einsetzen oder planen,
- Sie Zero-Trust-Zugang für Homeoffice und Außendienst mit dem Endpoint-Schutz verbinden wollen.
Gegenüberstellung
| Kriterium | SentinelOne | Fortinet (FortiClient EMS / FortiEDR) |
|---|---|---|
| Stärke | Eigenständiger, sehr autonomer Agent | Integration in Firewall, Switch und ZTNA |
| Ransomware-Rückabwicklung | Rollback unter Windows | Bereinigung über FortiEDR (Remediation), zusätzlich Backup-Konzept |
| Zero-Trust-Zugang | über Partner-Integrationen | integriert (FortiClient ZTNA) |
| Netzwerk-Isolation | am Endpoint | am Endpoint und über FortiGate/FortiSwitch |
| Ideal für | heterogene Netze, viele mobile Geräte | Fortinet-Umgebungen, Zero Trust |
Vereinfachte Gegenüberstellung aus unserer Praxis. Funktionsumfang abhängig von Lizenzstufe.
Was wichtiger ist als die Produktwahl
Wer schaut hin? Ein EDR erzeugt Meldungen. Wenn niemand sie nachts auswertet, ist die beste Erkennung wirkungslos. Entscheidend ist die Überwachung rund um die Uhr durch ein SOC, mit klarem Mandat, wann ein Rechner isoliert werden darf.
Vollständige Abdeckung. Der Server ohne Agent, der alte Rechner in der Werkstatt, die Bedienstation in der Halle: Angreifer finden das ungeschützte Gerät. Eine saubere Inventur gehört zur Einführung.
Ausnahmen pflegen. Fachanwendungen lösen manchmal Fehlalarme aus. Ausnahmen müssen eng gefasst und dokumentiert sein, sonst entstehen blinde Flecken.
Fazit
Wer Fortinet im Netzwerk einsetzt und Zero Trust plant, profitiert von der Integration der Fortinet-Lösung. Wer einen eigenständigen, sehr autonomen Agenten mit Rollback sucht, ist mit SentinelOne sehr gut aufgestellt. In beiden Fällen gilt: Der Schutz ist nur so gut wie die Überwachung dahinter.
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